Sammlung - Die Prozessionsstangen

Die Prozessionsstangen
Die Prozessionsstangen
1785, Würzburg (?), Holz. Höhe der Stange 186 cm; Kapitell mit Figur 87 cm; Gesamthöhe 273 cm. Breite von Arm zu Arm 35 cm.
Die geschnitzte und teilweise vergoldete Bekrönung der zweiteiligen Zunftstange zeigt den Fischerpatron St. Petrus mit seinen Attributen, Buch und Schlüssel. Er steht auf dem ebenfalls teilvergoldeten Kapitell der Stange, dessen drei Kerzenarme weit ausladen. In den drei Feldern, die zwischen den Armen frei bleiben, sind drei Fischermotive reliefartig herausgeschnitzt. An der Frontseite ein rot gefaßter Krebs mit zwei kleinen Fischen, darunter die Unterschrift »Petrus«, links das Zunftwappen mit den Buchstaben F H (Fischerhandwerk), rechts Fahrbaum und Handruder, darunter die Jahreszahl »1785«.
Girlanden im Louis-XVI-Stil ziehen sich um das Kapitell herum, der eckige Sockel und auch der antikisierende Friesschmuck sowie die Figur des hl. Petrus bestätigen darüberhinaus eine Datierung im Frühklassizismus. Die Eintragung im Protokollbuch der Zunft von 1750: "Im Jahre 1750 seynd des Fischerhandwerks Processions- und Kerzen Stangen ganz neu verfertiget, und darfür 17 Gulden 5 Kreuzer gezahlt worden", scheint sich also nicht direkt auf diese Stange zu beziehen, da auch eine spätere Überdekoration schwer vorstellbar ist, da der ganze Kapitellkörper in seiner Grundform schon zu streng angelegt ist.
Das Gegenstück der Prozessionsstange schmückt als bekrönende Figur St. Andreas, Fischer wie sein Bruder Petrus und ebenfalls deren Patron, der mit beiden Händen sein Leidenswerkzeug, das Andreaskreuz, hält.

Literatur: H. und Th. Finkenstaedt, Stanglsitzerheilige und Große Kerzen, Weißenhorn 1968. - Dies., Vorläufiges Inventar der Prozessionsstangen in Bayern, in Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1968, S. 13-44, Nr. 321; Altertümer 1954, S. 36 f. und Abb. 17; Saal und Sammlungen 1984, Kat. 7 und 8.


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